Wer online unsichtbar bleibt, verliert Kunden: Warum Küchenstudios jetzt Social Media brauchen
Mirco Meyer · Co-Founder von Virello
30/07/2026

Eine neue Küche wird selten spontan gekauft. Sie ist eine langfristige Investition, muss zum Raum passen und verbindet Design, Technik, Budget, Planung und Montage. Genau deshalb bleibt die persönliche Beratung im Küchenstudio wichtig.
Doch der erste Kontakt mit einem Anbieter findet heute oft schon deutlich früher statt: Menschen sehen eine Referenzküche, speichern eine Gestaltungsidee, vergleichen Stile oder gewinnen über mehrere Beiträge einen Eindruck davon, welchem Betrieb sie ihr Projekt anvertrauen würden.
Aktuelle Zahlen aus dem Küchenhandel, dem Onlinehandel und der Mediennutzung zeigen, warum Küchenstudios und Möbelhäuser Social Media nicht nur als Werbefläche betrachten sollten. Ein starker Kanal kann zum digitalen Schaufenster vor dem eigentlichen Studiobesuch werden.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
- Der durchschnittliche Küchenpreis im deutschen Küchenfachhandel lag 2025 bei 12.177 Euro. Der durchschnittliche Auftragswert stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,3 Prozent.
- Der Onlinehandel mit „Wohnen & Einrichten“ erreichte 2025 8,1 Milliarden Euro. Der Onlineanteil am Gesamtmarkt dieser Kategorie stieg auf 21,6 Prozent.
- 59 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland nutzten 2025 soziale Medien aktiv. 2021 waren es erst 47 Prozent.
- Unter den 55- bis 64-Jährigen stieg die aktive Social-Media-Nutzung von 29 auf 42 Prozent, unter den 65- bis 74-Jährigen von 15 auf 25 Prozent.
- 13 Prozent der Internetnutzer zwischen 16 und 69 Jahren haben bereits ein Produkt gekauft, auf das sie durch den Beitrag einer Person in sozialen Medien aufmerksam wurden. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 23 Prozent.
Diese Werte stammen aus unterschiedlichen Studien und messen nicht alle dasselbe. Zusammengenommen zeigen sie jedoch eine klare Entwicklung: Hochwertige Einrichtungsentscheidungen bleiben beratungsintensiv, während Aufmerksamkeit, Inspiration und Vorauswahl zunehmend digital geprägt werden.
Eine Küche ist eine große Vertrauensentscheidung
Die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK) beziffert den durchschnittlichen Küchenpreis im Fachhandel für 2025 auf 12.177 Euro. In den ersten beiden Monaten 2026 stieg er sogar auf 12.404 Euro.
Gleichzeitig ging die im Küchenfachhandel verkaufte Menge 2025 um 1,3 Prozent zurück, während der Umsatz um 3,9 Prozent und der durchschnittliche Auftragswert um 5,3 Prozent zulegten. Die GfK-Daten, auf die sich die AMK beruft, deuten damit auf eine stärker wertorientierte Nachfrage hin: Wer kauft, entscheidet sich häufiger für höherwertige Lösungen.
Für ein Küchenstudio folgt daraus nicht automatisch, dass mehr Social-Media-Beiträge direkt mehr Küchen verkaufen. Die Zahlen machen aber deutlich, wie wertvoll Vertrauen vor dem Beratungstermin ist. Bei einer Investition in dieser Größenordnung möchten Interessenten nicht nur Fronten und Arbeitsplatten sehen. Sie wollen einschätzen können:
- Passt der Stil des Studios zu den eigenen Vorstellungen?
- Werden auch schwierige Räume überzeugend geplant?
- Wirken Planung, Montage und Kommunikation zuverlässig?
- Versteht der Anbieter praktische Anforderungen ebenso gut wie ästhetische Wünsche?
- Gibt es reale Projekte und nachvollziehbare Erfahrungen anderer Kunden?
Ein gepflegter Social-Media-Kanal kann auf diese Fragen schon vor dem ersten Gespräch Antworten geben.
Der Möbelkauf wird digitaler, auch wenn er stationär endet
Der HDE-Online-Monitor 2026 weist für den Sortimentsbereich „Wohnen & Einrichten“ im Jahr 2025 einen Onlineumsatz von 8,1 Milliarden Euro aus. Das waren 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Von 2020 bis 2025 wuchs der Onlineumsatz der Kategorie im Durchschnitt um 3,7 Prozent pro Jahr.
Noch aussagekräftiger ist die Verschiebung des Marktanteils: 2024 entfielen 20,9 Prozent des Umsatzes mit „Wohnen & Einrichten“ auf den Onlinehandel, 2025 waren es bereits 21,6 Prozent.
Die HDE-Kategorie ist breiter als der Küchenhandel und darf deshalb nicht mit dem Küchenmarkt gleichgesetzt werden. Sie belegt aber, dass digitales Kaufverhalten im direkten Umfeld von Möbeln und Einrichtung längst relevant ist.
Für Küchenstudios ist dabei der Unterschied zwischen online kaufen und online beeinflusst werden entscheidend. Eine individuell geplante Küche kann weiterhin im Studio beraten und abgeschlossen werden, obwohl ein erheblicher Teil der Orientierung vorher digital stattgefunden hat. Social Media ersetzt den Showroom nicht. Es kann Menschen in den Showroom führen – mit konkreteren Vorstellungen und einem bereits aufgebauten Eindruck vom Anbieter.
Social Media erreicht längst nicht mehr nur sehr junge Zielgruppen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzten 2025 59 Prozent der Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland soziale Medien aktiv. 2021 waren es 47 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozentpunkten beziehungsweise rund 26 Prozent relativ zum Ausgangswert.
Besonders relevant für Küchenstudios ist das Wachstum in älteren Altersgruppen:
- Bei den 55- bis 64-Jährigen stieg der Anteil von 29 Prozent im Jahr 2021 auf 42 Prozent im Jahr 2025.
- Bei den 65- bis 74-Jährigen nahm er im selben Zeitraum von 15 auf 25 Prozent zu.
- Auch bei den 35- bis 44-Jährigen waren 2025 bereits 72 Prozent aktiv.
Destatis zählt dabei nur aktive Nutzung, etwa ein eigenes Profil, eigene Beiträge oder Interaktionen. Reines passives Ansehen von Inhalten ist in dieser Definition nicht enthalten. Die tatsächliche Reichweite von Social-Media-Inhalten kann daher größer sein als der ausgewiesene aktive Nutzeranteil.
Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 kommt mit einer anderen Definition auf ein ähnliches Bild: 63 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzten Social Media mindestens wöchentlich. Instagram erreichte 40 Prozent, Facebook 31 Prozent und TikTok 20 Prozent.
Für Möbelhäuser und Küchenstudios heißt das: Social Media ist kein reiner Jugendkanal. Auch Menschen in Altersgruppen mit hoher Wohn- und Investitionsrelevanz sind dort zunehmend erreichbar.
Aus Aufmerksamkeit werden nachweislich Kaufimpulse
Der HDE untersucht nicht nur Reichweiten, sondern auch den Einfluss sozialer Inhalte auf Käufe. Laut Online-Monitor 2026 haben 13 Prozent der befragten Internetnutzer zwischen 16 und 69 Jahren schon ein Produkt gekauft, auf das sie durch den Beitrag einer Person in einem sozialen Netzwerk aufmerksam geworden waren.
Der höchste Wert zeigte sich nicht bei Teenagern, sondern bei den 30- bis 39-Jährigen:
- 16 bis 19 Jahre: 17 Prozent
- 20 bis 29 Jahre: 16 Prozent
- 30 bis 39 Jahre: 23 Prozent
- 40 bis 49 Jahre: 14 Prozent
- 50 bis 59 Jahre: 7 Prozent
- 60 bis 69 Jahre: 4 Prozent
Die Befragung bezieht sich auf Produkte insgesamt, nicht speziell auf Küchen. Sie ist daher kein Beleg dafür, dass 23 Prozent der 30- bis 39-Jährigen eine Küche wegen eines Social-Media-Beitrags kaufen. Sie belegt aber, dass soziale Inhalte in einer zentralen Zielgruppe reale Kaufimpulse auslösen.
Bei Küchen beginnt dieser Impuls häufig nicht mit einem Warenkorb. Er kann sich in einem gespeicherten Beitrag, einem Profilbesuch, einer Weiterempfehlung an den Partner oder einer späteren Terminanfrage zeigen. Gerade bei langen Entscheidungsprozessen wäre es deshalb zu kurz gedacht, den Wert eines Kanals nur an direkten Abschlüssen nach dem letzten Klick zu messen.
Warum Küchen für Social Media besonders geeignet sind
Küchen sind visuell, individuell und erklärungsbedürftig. Damit vereinen sie mehrere Eigenschaften, die sich für fortlaufende Inhalte eignen:
Inspiration wird konkret
Ein einzelnes Muster im Studio zeigt ein Material. Eine dokumentierte Küche zeigt dagegen, wie Farben, Licht, Stauraum, Geräte und Architektur zusammenwirken. Interessenten können sich leichter vorstellen, welche Lösung im eigenen Zuhause möglich wäre.
Planungskompetenz wird sichtbar
Vorher-nachher-Einblicke, ungewöhnliche Grundrisse und begründete Planungsentscheidungen zeigen mehr als ein fertiges Hochglanzfoto. Sie machen die eigentliche Leistung des Studios verständlich.
Vertrauen kann vor dem Termin wachsen
Wer über Wochen oder Monate wiederholt echte Projekte, Mitarbeiter und verständliche Antworten auf typische Fragen sieht, lernt den Betrieb kennen, bevor ein persönliches Gespräch stattfindet. Der Ersttermin beginnt dann nicht mehr bei null.
Regionale Referenzen schaffen Nähe
Für ein lokales Küchenstudio sind reale Projekte aus der Umgebung besonders wertvoll. Sie verbinden gestalterische Inspiration mit dem Nachweis, dass der Betrieb tatsächlich vor Ort plant, liefert und montiert.
Ein Projekt liefert mehr als einen Beitrag
Aus einer einzigen Küche können verschiedene Perspektiven entstehen: Ausgangssituation, Planungsproblem, Materialwahl, Stauraumlösung, Geräteentscheidung, Montage und fertiges Ergebnis. Ein starker Kanal braucht deshalb nicht ständig neue Rabattaktionen, sondern eine konsequente Dokumentation der ohnehin geleisteten Arbeit.
Was ein starker Kanal wirklich leisten sollte
Reichweite allein ist noch kein belastbarer Geschäftswert. Ein Küchenstudio braucht nicht zwangsläufig möglichst viele Follower aus ganz Deutschland, wenn sein Einzugsgebiet regional ist.
Wichtiger ist, dass der Kanal über längere Zeit vier Aufgaben erfüllt:
- Auffindbarkeit: Interessenten stoßen auf den Betrieb und erkennen sein Angebot.
- Orientierung: Projekte und Erklärungen helfen dabei, Stil, Qualität und Arbeitsweise einzuordnen.
- Vertrauen: Echte Einblicke, klare Aussagen und Kontinuität senken die Unsicherheit vor einer großen Investition.
- Aktivierung: Der nächste Schritt – Website, Anruf, Nachricht oder Beratungstermin – ist klar und einfach.
Deshalb ist ein starker Kanal nicht automatisch der lauteste. Für ein Küchenstudio kann ein kleinerer, regional relevanter Kanal mit echten Referenzen wertvoller sein als hohe Reichweite ohne Bezug zum eigenen Markt.
Was die Zahlen belegen – und was nicht
Die vorliegenden Studien erlauben eine klare, aber differenzierte Aussage:
Belegt ist, dass digitale Umsätze im Einrichtungsmarkt wachsen, Social Media immer mehr Altersgruppen erreicht und soziale Beiträge reale Kaufimpulse auslösen. Ebenfalls belegt ist, dass Küchen eine hochpreisige, beratungsintensive Anschaffung sind.
Nicht belegt ist, dass eine bestimmte Posting-Frequenz automatisch zu einem festen Umsatzplus führt oder dass Social Media für jedes Küchenstudio der wichtigste Abschlusskanal sein muss. Öffentliche, repräsentative Daten, die den direkten Umsatzbeitrag organischer Social-Media-Kanäle deutscher Küchenstudios isolieren, liegen nicht vor.
Die sachlich belastbare Schlussfolgerung lautet daher: Für Küchenstudios wird es wichtiger, die digitale Phase vor dem Beratungstermin aktiv mitzugestalten. Social Media ist dabei ein relevanter Baustein – neben Website, lokaler Suche, Bewertungen, Empfehlungen und dem persönlichen Studioerlebnis.
Virello als möglicher Baustein
Der kontinuierliche Aufbau eines Kanals scheitert im Alltag oft nicht an fehlenden Projekten, sondern an Zeit, Aufbereitung und Regelmäßigkeit. Virello kann als ein möglicher Baustein dabei unterstützen, vorhandenes Material zu strukturieren und daraus fortlaufend Social-Media-Inhalte vorzubereiten. Entscheidend bleiben jedoch die echten Projekte, die fachliche Perspektive und die persönliche Handschrift des Küchenstudios.
Quellen und Methodik
- AMK-Wirtschaftspressekonferenz 2026: Kennzahlen der Küchenbranche und des Küchenfachhandels – unter anderem auf Basis amtlicher Statistik und des GfK-Panelmarkts
- HDE-Online-Monitor 2026 – Marktdaten des IFH Köln sowie Befragung deutscher Internetnutzer
- Statistisches Bundesamt: Nutzung sozialer Medien 2021 bis 2025 – IKT-Erhebung privater Haushalte
- ARD/ZDF-Medienstudie 2025 – repräsentative Befragung von 2.512 deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren
Stand: 30. Juli 2026. Prozentwerte aus verschiedenen Quellen sind wegen abweichender Grundgesamtheiten, Definitionen und Erhebungsmethoden nicht direkt miteinander gleichzusetzen.